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Nachhaltig. Stark. Weiblich. „Am Ende meines Lebens möchte ich sagen können, dass ich alles gegeben habe."

Bio-Lebensmittel, Naturkosmetik, grüne Banken, Ökostrom: fast überall in der Wirtschaft gibt es inzwischen Unternehmen, die einen nachhaltigen Mehrwert leisten. Mit WEtell gründete Alma Spribille den ersten Öko-Pionier im Mobilfunksektor.

Mitgliedsunternehmen Interview

Alma Spribille von WEtell - „Am Ende meines Lebens möchte ich sagen können, dass ich alles gegeben habe, um einen Beitrag für eine nachhaltigere Welt zu leisten“

Das muss doch besser gehen! Seit sie denken kann, spielen Umwelt- und Klimaschutz für Alma Spribille eine zentrale Rolle. Bereits als Kind sammelte sie Müll im Wald und war fasziniert davon, dass Pflanzen mithilfe von Sonnenenergie wachsen. „Schon damals konnte ich nicht verstehen, warum wir Menschen nicht viel mehr mit dieser Energie machen“, erinnert sie sich. Ihr Wissensdurst führte sie in die Wissenschaft. Sie schrieb ihre Diplomarbeit beim Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme, wo sie anschließend elf Jahre lang in zunehmend verantwortungsvollen Positionen die Solarzellenforschung vorantrieb. Doch das reichte ihr nicht. Alma Spribille, welche sich ehrenamtlich auch im Vorstand des BNW engagiert, brauchte einen größeren Hebel. „Am Ende meines Lebens möchte ich sagen können, dass ich alles gegeben habe, um einen Beitrag für eine nachhaltigere Welt zu leisten“, sagt sie entschlossen.

 

Als grüner Mobilfunkanbieter wollen wir positiven Druck machen und zeigen: auch hier gibt es Unternehmen, die nicht nur für den eigenen Vorteil, sondern für das Gemeinwohl wirtschaften.“

 

Der mächtigste Hebel für positive Veränderung erschien ihr eine Unternehmensgründung. „Bei meiner Berufserfahrung wäre es naheliegend gewesen, in der Strombranche zu gründen. Aber da gab es schon genug nachhaltige Anbieter.“ Im Mobilfunk hingegen klaffte eine Lücke. Hier lautete die Devise: möglichst billig und möglichst viele Gigabytes. Von Nachhaltigkeit keine Spur. Also beschloss Alma Spribille gemeinsam mit drei Freunden, mit WEtell die Mobilfunkbranche aufzumischen. „Den größten Einfluss haben hier die drei Netzbetreiber, die auch gleichzeitig große Mobilfunkanbieter sind, wie Vodafone, Telekom und Telefónica. Als grüner Mobilfunkanbieter wollen wir Druck machen und zeigen: Auch hier gibt es Unternehmen, die nicht nur für den eigenen Vorteil, sondern für das Gemeinwohl wirtschaften“, sagt sie. Und das sind keine leeren Worte: die Gemeinwohlorientierung bilanziert WEtell alle zwei Jahre in einem umfassenden Bericht. Die Daten für die Bilanz stellt das Team aus 26 Mitarbeitenden gemeinsam zusammen – weil jede Perspektive zählt. WEtell ist ein Mobilfunkanbieter, bei dem Datenschutz, Transparenz und Fairness großgeschrieben werden. Alle Tarife sind transparent, monatlich kündbar und klimaneutral. Unvermeidbare CO2-Emissionen werden über Pflanzenkohleprojekte kompensiert; zusätzlich investiert das Unternehmen in Solar- und Windkraftanlagen. Und damit all das auch so bleibt, sichert eine Stiftung, dass das Jungunternehmen in Verantwortungseigentum niemals verkauft werden kann und seinen öko-sozialen Ansprüchen langfristig gerecht bleibt.

 

„Es geht nicht darum, dass Frauen so werden wie Männer. Sondern dass jede und jeder mit seinen und ihren unterschiedlichen Qualitäten gesehen, geschätzt und gefördert wird.“

 

Während ihrer Karriere am Fraunhofer Institut war Alma Spribille oft die einzige Frau im Raum. „80-90 Prozent meines Kollegiums bestand aus Männern. Ich hatte zwar einen tollen Chef, der mir stets den Rücken gestärkt hat. Trotzdem hatte ich oft das Gefühl: man nimmt mich immer erst als Frau wahr, nicht als Mensch. Wenn man mich dann noch fragte, ob ich hier die Quotenfrau sei, wurde ich richtig sauer!“ Mit zunehmender Führungsverantwortung nahm sie an Trainings teil, in denen es mehr oder weniger darum ging, zu lernen, sich mehr wie ein Mann zu verhalten. Rückblickend ist ihr klar: mit Gleichberechtigung hatte das nichts zu tun. „Es geht nicht darum, dass Frauen so werden wie Männer. Sondern, dass jede und jeder mit seinen und ihren unterschiedlichen Qualitäten gesehen, geschätzt und gefördert wird“, ist sie überzeugt.

Als Geschäftsführerin bei WEtell kann Alma Spribille nun jenseits von strengen Hierarchien und Stereotypen eine faire Unternehmenskultur schaffen, in der jede und jeder zählt. Für grünen Mobilfunk, der mehr zu bieten hat als billige Gigabytes.

 

Ina Hiester ist freie Journalistin mit den Schwerpunktthemen Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit. Während einer umfassenden Recherche rund um das Thema Geschlechtergerechtigkeit in der Biobranche stellte sie fest: viele Frauen sind zwar besonders empathisch und naturverbunden und engagieren sich für gesellschaftlichen Wandel. Doch auch im 21. Jahrhundert werden ihre Leistungen oft nicht genug anerkannt. In ihrer BNW-Porträt-Reihe „Nachhaltig. Stark. Weiblich.“ stellt die Journalistin deshalb Unternehmerinnen vor, die sich mit Herz und Verstand den ökologischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit stellen.