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Gastbeitrag: Klimaziele in Zusammenarbeit mit Lieferanten umsetzen

Ein Gastbeitrag von Lara Obst, Mitgründerin und Geschäftsführerin von BNW-Mitglied THE CLIMATE CHOICE.

Mitgliedsunternehmen Klimaschutz Klimaschutz im Unternehmen

Um die globale Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, müssen wir bis 2030 die Hälfte aller CO2e-Emissionen reduzieren. Eine immense Herausforderung, die sich nur mit vereinten Kräften bewältigen lässt. Besonders Unternehmen müssen dabei vor allem auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit ihren Lieferanten setzen. Denn bis zu 90 % ihrer Emissionen stammen typischerweise aus ihren Lieferketten.

Diese sogenannten Scope-3-Emissionen können sie im Allgemeinen nicht selbst reduzieren, sondern müssen vielmehr ihre Lieferanten zu entsprechenden Reduktionsmaßnahmen befähigen. Hierfür müssen sie im ersten Schritt verstehen, wer wo steht. Dafür benötigen sie strukturierte und vergleichbare Daten über die Klimaperformance der Lieferanten. Wie lassen sich solche klimarelevanten Daten effizient managen und für eine bessere Zusammenarbeit an der Dekarbonisierung der Lieferkette nutzen?

Über diese Frage haben im Juni 2022 beim online Climate Transformation Summit 50 internationale Expert:innen sowie 1.000 Teilnehmer:innen diskutiert. Die wichtigsten Statements, Erkenntnisse und Best Practices des Summits sind nun im Best Practice Guide 2022 zusammengefasst.

Mit Blick auf die Zukunft: Von “lagging KPIs” zu “leading KPIs”

Der Guide beleuchtet detailliert, wie Unternehmen erfolgreich zu Reduktionsmaßnahmen entlang der Lieferkette zusammenarbeiten können. Dabei steht zunächst die erforderliche Datengrundlage im Vordergrund. Welche Daten werden genau gebraucht? Wenn es um Kennzahlen für den Klimaschutz entlang der Lieferkette geht, denken die meisten zuerst an die CO₂e-Emissionen. Diese sind auch ein guter Ausgangspunkt, denn sie gehören zu den wichtigsten Indikatoren für die Messung der Klimaauswirkung eines Unternehmens. Man muss jedoch berücksichtigen, dass diese Datenpunkte rückwärtsgerichtet sind und somit sogenannte “lagging KPIs” (rückschauende Messgrößen) darstellen. Sie geben an, was in der Vergangenheit passiert ist.

Aktuelle Offenlegungsanforderungen verlangen allerdings von Unternehmen, immer stärker für die Zukunft zu planen und mögliche Klimarisiken zu reduzieren. Daher ist es heute ebenso wichtig, neben CO2e-Daten auch zukunftsorientierte Messgrößen, sogenannte “leading KPIs” (vorausschauende Messgrößen) zu erfassen. Diese Kennzahlen verdeutlichen die Richtung, in die sich Lieferanten höchstwahrscheinlich in Sachen Klima in den nächsten Jahren bewegen werden. Sie geben somit Aufschluss darüber, wie Lieferanten ihre klimabezogenen Risiken und Chancen managen, welche Maßnahmen sie im Zuge ihrer Klimaziele verfolgen und welche Daten sie dazu bereits offenlegen können, um dies zu belegen.

Um alle hierfür wichtigen Kennzahlen zu erfassen, bieten bereits etablierte und international anerkannte Berichtsrahmenwerke eine gute Orientierung. Dazu gehören in erster Linie die Vorgaben der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) für die Bereiche Klima-Risikomanagement, -Governance, -Strategie und KPIs.

In drei Schritten zum Klimadaten-Management entlang der Lieferkette

Nachdem Unternehmen erkannt haben, welche Daten sie für die Zusammenarbeit mit Lieferanten an einer gemeinsamen Klimastrategie benötigen, gilt es, den konkreten Prozess der Datenerhebung aufzusetzen. Dabei sind drei wesentliche Schritte zu beachten:

1) Datenerhebung gründlich vorbereiten

Klima geht alle an! Im eigenen Unternehmen und darüber hinaus. Es ist daher wichtig, sich vorab intern mit den relevanten Stakeholdern abzustimmen, alle an Bord zu holen und den Projektumfang zu definieren. Aber gerade auch die Lieferanten müssen entsprechend vorbereitet und informiert werden. Vertrauen und Sicherheit stehen klar im Vordergrund. Unternehmen müssen hier klar kommunizieren, wie die Daten verwendet werden und dass die Teilnahme die Grundlage für eine verbesserte Zusammenarbeit bildet.

2) Unterstützung der Lieferanten im Prozess

Nun geht es an den Kern der Sache: die eigentliche Datenerhebung. In dieser Phase ist es wichtig, mit den Lieferanten zusammenzuarbeiten, d. h. sie zu unterstützen und Ressourcen gemeinsam zu nutzen, um beiderseitig Vorteile durch den neuen Prozess zu bieten. Dazu zählen der Zugang zu anonymen Benchmarking-Ergebnissen, das Aufzeigen von Best Practices sowie Szenarioanalysen für entsprechende Produktkategorien. Dies wird speziell durch die Verwendung einer einheitlichen, digitalen Plattform ermöglicht. Die erhobenen Daten werden zentralisiert gemanagt und stehen so vergleichbar, transparent und einfach zugänglich für Kunden und Lieferanten zur Verfügung.

3) Nutzung der gewonnenen Daten für die Zusammenarbeit

Last but not least, die zukünftige Verbesserung ist das Ziel! Im letzten Schritt gilt es daher, die gesammelten Daten zu analysieren, um klimarelevante Risiken und Potenziale aufzudecken. Hier geht es schließlich darum, die Datengrundlage zu nutzen, um gemeinsam mit den Lieferanten greifbare Verbesserungen umzusetzen. Das bedeutet: Aktionspläne erstellen, Kapazitäten aufbauen sowie Schulungsprogramme und weitere Anreize setzen.

Fazit

 Der beschriebene Ansatz zeigt: Strukturiertes Datenmanagement für die Ergebung ganzheitlicher Daten aus Scope 3 ermöglicht die kollaborative Einbindung von Lieferanten für die Dekarbonisierung der Lieferkette. Spezialisierte Software-Tools sowie eine entsprechende Unterstützung helfen, die vielfältigen Herausforderungen im klimarelevanten Lieferantenmanagement zu meistern und gemeinsam den Übergang zur Low-Carbon-Economy voranzutreiben.

Weitere Informationen hierzu sowie exklusive Einblicke von internationalen Klima-Expert:innen finden sich im Best Practice Guide 2022, der hier kostenlos heruntergeladen werden kann.