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"Wir sollten dahinkommen, dass wir uns gar nicht mehr über männliche oder weibliche Führung unterhalten.“

Stephanie Moßbacher von Byodo

Mitgliedsunternehmen Interview

2020 stieg Stephanie Moßbacher in die Führungsspitze ein. 2022 trat sie in die Fußstapfen ihres Vaters und leitet seither das Naturkostunternehmen Byodo in Mühldorf am Inn. Ihren Führungsstil beschreibt die 34-Jährige als partizipativ und empathisch – und zwar nicht, weil sie eine Frau ist, sondern weil dies ihrem Naturell entspricht. Ina Hiester hat sie für den BNW interviewt.

 

Stephanie Moßbacher von Byodo


Frau Moßbacher, wie hoch ist der Frauenanteil bei Byodo?
In Führungspositionen liegt der Frauen-Anteil bei Byodo bei knapp 60 Prozent. Über das gesamte Unternehmen hinweg betrachtet sind knapp drei Viertel unserer Beschäftigten weiblich. Außerdem arbeiten bei uns auch viele Frauen in „Männerdomänen“ wie z. B. im Lager und umgekehrt zahlreiche Männer im Einzelhandel, der traditionell überwiegend mit Frauen besetzt ist.

Wie stellen Sie bei Byodo sicher, dass Ihre Mitarbeitenden gleich behandelt werden?
Schon seit der Unternehmensgründung vor fast 40 Jahren ist es für uns selbstverständlich, bei der Einstellung keine Unterschiede auf Basis des Geschlechts, der Nationalität oder anderer Kriterien zu machen. Es geht immer darum, den oder die bestmögliche Kandidat:in für eine Position zu finden.

Mit Andrea Sonnberger war jahrzehntelang eine Frau Teil der Geschäftsführung. Auch die weiteren Führungsebenen waren gleichermaßen mit Frauen und Männern besetzt. Dadurch sind weibliche Führungsformen und Stärken von Haus aus gleichwertig geschätzt und führen so zu gleichen Beförderungsmöglichkeiten für beide Geschlechter. Es geht bei uns nicht darum, Frauen aktiv zu übervorteilen. Vielmehr ist es selbstverständlich, dass eine Frau eine ebenso gute Führungskraft, Geschäftsführerin oder Managerin sein kann wie ein Mann.

Auch in 2024 sind wir noch weit von einer solchen Geschlechtergerechtigkeit entfernt. Woran liegt das?
Leider ist die Überzeugung, dass Führungspotenzial nicht geschlechterbedingt ist, in vielen männlichen, aber auch weiblichen Köpfen immer noch nicht genug verankert. Und solange genau diese Köpfe in den Vorständen und höchsten Gremien großer Unternehmen sitzen, wird es keine flächendeckende Gleichberechtigung geben. Frauen werden dann nicht angemessen ge- und befördert – und somit gibt es auch weniger erfahrene Frauen am Arbeitsmarkt, die für Führungspositionen infrage kommen. Deshalb muss in vielen Unternehmen bewusst eingegriffen werden – zum Beispiel mit Quoten. Ich bin froh, dass das bei uns nicht notwendig ist.

Zahlen Sie Männern und Frauen das gleiche Gehalt?
Selbstverständlich – und das sollte auch überhaupt kein Thema sein. Wir zahlen Gehälter für Positionen, unabhängig vom Geschlecht. Aber solange das in anderen Unternehmen nicht so ist, bleibt der Marktwert von Männern automatisch höher. Echter Wandel in der Wirtschaft kann nur gelingen, wenn Frauen in Führungspositionen – gerade in den höchsten – zur Normalität werden. Erst dann werden dort auch weibliche Stärken und Verhaltensweisen gefördert und die Bedürfnisse von Frauen und Müttern mitgedacht.

Gutes Stichwort – wie steht es bei Byodo um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?
Wer Frauen fördern will, muss Rahmenbedingungen schaffen, die eine faire Verteilung der Care Arbeit ermöglichen. Deshalb bieten wir sehr viel Flexibilität, Gleitzeitmodelle und die Möglichkeit für hybrides Arbeiten. Dem Wunsch nach Teilzeit kommen wir wann immer möglich nach, sodass die Arbeitszeit der aktuellen Lebenssituation angepasst werden kann.

Auch Teilzeit in Elternzeit wird aktiv in Anspruch genommen. Damit ermöglichen wir einen schnellen Wiedereinstieg, der sich gut mit dem Familienleben vereinen lässt. Dass Elternzeit auch von immer mehr Männern in Anspruch genommen wird, zeigt, dass Gleichberechtigung im Selbstverständnis von Byodo verankert ist.

Führen Sie Byodo als Frau bewusst anders?
Ich führe sehr partizipativ und empathisch. Das sind Eigenschaften, die in der Regel eher Frauen zugeschrieben werden, weil sie schon in der Erziehung gefördert werden. Wir sollten aber dahinkommen, dass wir uns in ein paar Jahren gar nicht mehr über männliche oder weibliche Führung unterhalten. Sondern dass Führung männliche und weibliche Anteile in sich vereint und wegkommt von Stereotypen.

Ist Vielfalt und Gerechtigkeit immer ein Erfolgsrezept?
Ich bin davon überzeugt, dass ein Unternehmen dann am erfolgreichsten ist, wenn verschiedene Perspektiven, Stärken und Erfahrungen in Entscheidungen einfließen. Und das gelingt nur, wenn Mitarbeitende verschiedenen Alters, Geschlechts, Nationalität und Betriebszugehörigkeit, mit unterschiedlichen Einstellungen und Erfahrungen gut zusammenarbeiten. Dafür setze ich mich bei Byodo ein. Jeden Tag.

 

Zur Kolumne:
Ina Hiester ist freie Journalistin mit den Schwerpunktthemen Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit. Während einer umfassenden Recherche rund um das Thema Geschlechtergerechtigkeit in der Biobranche stellte sie fest: viele Frauen sind zwar besonders empathisch und naturverbunden und engagieren sich für gesellschaftlichen Wandel. Doch auch im 21. Jahrhundert werden ihre Leistungen oft nicht genug anerkannt. In ihrer BNW-Porträt-Reihe „Nachhaltig. Stark. Weiblich.“ stellt die Journalistin deshalb Unternehmerinnen vor, die sich mit Herz und Verstand den ökologischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit stellen.